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"Die Schweizer sind die Hobbits unserer Welt"
02 08 2008
"Biggles gibt mit seinem Konzert am 6. August den Auftakt zum Summer Sounds Festival des Kaufleuten und bringt im Oktober sein drittes Album raus. StudiSurf.ch hat mit ihm über seine neue Single, Live spielen und die Aufnahmen in den USA gesprochen."
[www.studisurf.ch / Marina Lienhard]
Darf ich dich fragen, worum es in deiner aktuellen Single «Cotton Coma» geht?
Was glaubst du denn?

Sterne und so? (lacht) Keine Ahnung… 
Nun, der Mischer des Albums, ein Kanadier, hat mich kürzlich gefragt ob ich mich in diesem Song über das Kiffen lustig mache. Er kifft nämlich ziemlich viel. (lacht). Ich singe in diesem Lied eher darüber, wie es ist, ein Kiffer zu sein. Das Lied beschreibt einen diffusen Gefühlszustand, den glaube ich jeder kennt: Das Gefühl, nichts an der Welt ändern zu können, keine Kontrolle zu haben aber gleichzeitig auch die Akzeptanz davon. Dieser Zustand stellt sich auch ein, wenn man betrunken oder bekifft ist, man verliert bewusst die Kontrolle. Das Weltall ist hier eher metaphorisch gemeint, als etwas, dass immer da ist und da sein wird, auf das man aber keinen Einfluss hat. 

Ich assoziiere das spontan mit Dürrenmatt. 
Ja, wieso nicht. Ich habe kürzlich «Die Justiz» gelesen und Dürrenmatts Figuren scheinen Spielbälle zu sein, ohne echten Einfluss auf das Geschehen. Vielleicht ist das auch ein sehr schweizerisches Weltbild, denn welche Rolle spielt die Schweiz in der Welt? In der NZZ stand heute, die USA hätten das Schweizer Bankgeheimnis stark kritisiert. Aber was bliebe der Schweiz ohne das Bankgeheimnis? (lacht). Ich bin natürlich kein Verfechter des Bankgeheimnisses, aber wenn man sich das mal so überlegt: Was würde es wirtschaftlich für die Schweiz bedeuten das Bankgeheimnis aufzugeben? Natürlich, es gibt noch einige Firmensitze, aber viel würde nicht bleiben. Die Schweizer sind die Hobbits der Welt.

Im Oktober kommt dein drittes Album «Oh My God- It’s Full Of Stars» heraus, inwiefern unterscheidet es sich von den vorherigen zwei? 
Das erste Album war sowieso ganz anders, weil es einfach eine Sammlung von Songs ist, die über die Jahre entstanden sind, eine Art Sammelsurium, ein Best Of. Das zweite Album sollte dann eher ein Konzeptalbum werden, ich habe mich beim Schreiben der Songs auch darauf geachtet. Zum Teil habe ich Figuren aus «Moby Dick» einfließen lassen und eine nautische Bildsprache verwendet. Es ging aber auch um diesen Sog, den Melville entstehen lässt, den man auch bei Autoren wie Edgar Allan Poe findet, diese Energie, die von seinem Schreibstil ausgeht. Zuerst wollten wir auch die Lieder ineinanderfliessen lassen, haben uns aber dagegen entschieden. Philippe Amrein hat geschrieben, es sei ein Konzeptalbum, das nicht nach einem Konzeptalbum klingt. Das sehe ich als Kompliment. Das neue Album ist eher wieder ein Sammelsurium. Ich habe bei mir zu Hause in Ruhe vierzig Demos aufgezeichnet. Das besondere am Album ist eher der Entstehungsprozess.

Amerika. 
Ich habe mir überlegt ob ich das Album am gleichen Ort aufzeichnen soll wie bisher. Dann dachte ich aber, könnte mal ein paar Produzenten anschreiben, die Sound machen, der mir gefällt. Ich hatte von Anfang an einen Mann im Auge, einen Amerikaner, der einige Platten produziert hat, die zu meinen liebsten gehören. Vor allem hat er das Album von ‘Spacehog’ produziert, einer Band, die es heute nicht mehr gibt und auch nicht so sehr Aufsehen erregt hat. Aber damals, als es beim Rolling Stone Magazin noch CDs dazu gab, da war eben ein Lied von ‘Spacehog’ drauf, welches noch immer zu meinen Lieblingsliedern gehört. Über die Jahre habe ich dann alle Alben dieser Band gekauft und mir dabei gedacht, dass ist Sound den ich gerne machen würde. Ich habe ihn also angeschrieben und tatsächlich hat es geklappt!
Ich bin dann also nach New York gefahren um mir das Studio anzusehen und Bryce Goggins, den Produzenten, zu treffen. Ich war begeistert, alle waren sehr sympathisch und interessiert. Zudem schlug Bryce vor, ich könne mein Album mit Royston und Jonny der ‘Spacehog’ als Bassist und Schlagzeuger aufnehmen. Das war wie ein Traum, der in Erfüllung geht. 

Eine gute Erfahrung also. 
Ein Abenteuer, ja! Zwei Wochen vor den Aufnahmen habe ich allerdings Panik gekriegt, dass die Amis meine Texte oder meine Aussprache total schlimm finden würden. Oder dass sie mir vorwerfen würden, nicht in meiner eigenen Sprache zu singen. Aber ganz im Gegenteil, sie haben meine Texte sehr gemocht. Bryce meinte zwar schon, dass es eigenwillige Texte sind, aber sah dies als positiven Punkt.

Deutsch würdest du nicht singen? 
Deutsch eher noch als Mundart. Aber mein Deutsch ist zu schlecht. Das ich Englisch singe ist eher Zufall, das ist nicht forciert. Ich lese sehr viel auf Englisch und meine Großmutter ist aus Wales, also gehört diese Sprache gewissermassen zu meiner Kultur. Für mich war die Sprache der Musik schon immer Englisch, Mani Matter habe ich eher als Geschichtenerzähler erlebt.

Was bedeutet es für dich live zu spielen? 
Es ist schön Feedback von den Leuten zu kriegen. Man macht ja nicht Musik für sich selbst. Während man Lieder schreibt und aufnimmt, ist man oft allein und beim Konzert, darf man endlich zeigen, woran man gearbeitet hat. Auf der Bühne stehen ist etwas sehr schönes, die Musik darf etwas anders gespielt werden, sie darf etwas lauter sein. Ausserdem ist Konzerte geben immer ein sozialer Akt, ich bin dann mit meiner Band zusammen und habe Spass.

Was darf man am 6. August im Kaufleuten von dir erwarten? 
Jetzt müßte das Sätzchen kommen, dass man für solche Fragen auswendig gelernt hat. Ich verweigere mich dem allerdings, schliesslich will ich beim Interview auch Spaß haben. Nun es wird super Songs von super Leuten geben, die diese super Vortragen. Tolle Stimmung, viel Gefühl – nein, das darf ich ja gar nicht sagen, sonst kommt kein männliches Publikum… (lacht). Es wird auch rockigere Lieder geben.
 
Spielst du die Songs des neuen Albums? 
Das ganze neue Programm wird gespielt und einige alte Highlights. Das Konzert wird zudem weniger ruhig als auch schon…